Wie lassen sich Tiefengeothermieprojekte erfolgreich umsetzen? Welche Faktoren bestimmen den Wärmepreis? Wie werden aussichtsreiche Bohrziele identifiziert, und was zeigen Tests über die Leistungsfähigkeit eines Reservoirs? Mit diesen Fragen bringt sich Deutsche ErdWärme beim diesjährigen Geothermiekongress ein. Vom 20. bis 22. Oktober 2026 sind wir mit fünf Kolleginnen und Kollegen im Kongresshotel Potsdam vertreten.
Unsere Beiträge im Überblick
| Datum und Uhrzeit | Wer | Thema |
| 20. Oktober, 14:00 bis 14:20 Uhr | Dr. Herbert Pohl | Einführung: Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung von Geothermieprojekten |
| 20. Oktober, 14:40 bis 15:00 Uhr | Rolf Herrmann | Der Weg zum Wärmepreis: Wirtschaftliche Machbarkeit von Tiefengeothermieprojekten |
| 22. Oktober, 10:20 bis 10:40 Uhr | Igor Kozlov | Komplexität in Zielgebiete übersetzen: Ein kompositärer Ansatz zur geothermischen Zielgebietsausweisung in störungsgebundenen Reservoiren |
| 22. Oktober, 11:50 bis 12:10 Uhr | Dr. Felix Allgaier | Hydraulische und seismologische Ergebnisse des Injektionstests im Tiefengeothermieprojekt Graben-Neudorf |
Alle vier Beiträge finden in Raum 0.226 statt. Dr. Herbert Pohl leitet zudem den gesamten Workshop „Chancen und Herausforderungen bei der Entwicklung von Tiefengeothermie-Projekten“ am 20. Oktober von 14:00 bis 15:40 Uhr. Hier geht’s zur Anmeldung: https://www.der-geothermiekongress.de/registrierung/teilnahme
Geothermie: Chancen und Herausforderungen
Für Stadtwerke ist die Entscheidung für tiefe Geothermie Teil einer langfristigen Versorgungsstrategie. Eine potenziell geeignete Wärmequelle muss zum bestehenden oder geplanten Wärmenetz passen. Dabei geht es um die räumliche Nähe ebenso wie um die benötigten Temperaturen, die abnehmbare Wärmemenge und den zeitlichen Verlauf des Bedarfs.
Diese Zusammenhänge haben unmittelbare Folgen für die Projektplanung. Eine leistungsfähige Anlage braucht ausreichend Wärmeabnahme, um ihre Kapazität wirtschaftlich zu nutzen. Umgekehrt muss die Planung des Wärmenetzes berücksichtigen, wann die geothermische Wärme verfügbar sein kann. Erschließung, Netzentwicklung und Abnahmevereinbarungen müssen deshalb aufeinander abgestimmt werden.
Dazu kommen Fragen wie: Wer finanziert die Erkundung? Wer steuert Genehmigungen und Vergaben? Wer trägt welche Risiken, und auf welcher Grundlage wird über die nächste Investition entschieden? Gerade für Stadtwerke mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen ist die passende Projektstruktur ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Diesen Themen widmet sich Dr. Herbert Pohl, CEO von Deutsche ErdWärme, in seinem Workshop. Im Zentrum stehen die ganzheitliche Projektbewertung und Kooperationsmodelle, mit denen Stadtwerke und erfahrene Projektentwickler Kompetenzen, Kapital und Verantwortung zusammenbringen können.

Der Weg zum wirtschaftlich tragfähigen Wärmepreis
Zu welchem Preis lässt sich geothermische Wärme langfristig bereitstellen? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: Neben den Investitionen für Bohrungen und Anlagenbau bestimmen die erschließbare Wärmeleistung, die Betriebskosten, die Finanzierung und die langfristige Wärmeabnahme die Wirtschaftlichkeit. Unterschiedliche Kosten- und Produktivitätsszenarien helfen, mögliche Wärmepreise realistisch einzuordnen.
Mit jeder Projektphase kommen neue Erkenntnisse hinzu. Erkundung, Bohrungen und Tests machen die Annahmen belastbarer und können Risiken an konkreten Entscheidungspunkten reduzieren. Der Business Case wird entsprechend aktualisiert. Eine ganzheitliche Betrachtung von Geologie, Wirtschaftlichkeit und operativer Umsetzbarkeit schafft damit die Grundlage für tragfähige Investitionsentscheidungen.
Diesen Zusammenhängen widmet sich Rolf Herrmann, Head of Geothermal Engineering bei Deutsche ErdWärme, in seinem Vortrag „Der Weg zum Wärmepreis: Wirtschaftliche Machbarkeit von Tiefengeothermieprojekten“.

Untergrunddaten in konkrete Bohrziele übersetzen
Die wirtschaftliche Bewertung eines Projekts hängt wesentlich davon ab, welche Reservoirbereiche eine Bohrung erschließen kann. Im Oberrheingraben zielen viele Projekte auf natürlich geklüftetes Gestein im Umfeld größerer Störungszonen. Dessen Wasserdurchlässigkeit kann jedoch auf engem Raum stark variieren. Eine zentrale Aufgabe ist deshalb, besonders aussichtsreiche Bereiche möglichst genau einzugrenzen.
Hier setzt der Beitrag von Igor Kozlov an. Der vorgestellte Ansatz kombiniert Informationen über geologische Strukturen, Gesteinseigenschaften und Spannungsverhältnisse im Untergrund. Sie werden unter anderem aus der Interpretation von 3D-Seismik, geophysikalischen Bohrlochmessungen und regionalen Spannungsfeldstudien abgeleitet.
Die gemeinsame Bewertung wird direkt in ein geologisches 3D-Modell integriert. Dadurch lässt sich sowohl in der Tiefe als auch seitlich unterscheiden, wo hydraulisch aktive Reservoirbereiche wahrscheinlicher sind. Diese geothermischen „Sweet Spots“ bilden eine Grundlage für die Planung geeigneter Bohrpfade.
Gerade bei begrenzter Datenverfügbarkeit hilft der Ansatz, mögliche Bohrziele nachvollziehbar zu vergleichen und Unsicherheiten systematisch zu berücksichtigen. Erarbeitet wurde der Beitrag von Igor Kozlov, Dr. Felix Allgaier, Robin Ulwig und Rolf Herrmann.

Einblicke in das Geothermieprojekt Graben-Neudorf
Wie technische Erkenntnisse die Projektentwicklung voranbringen, zeigt Graben-Neudorf. Die erste Bohrung hat Temperaturen von über 200 °C erschlossen. Um dieses Potenzial zu nutzen, ist auch entscheidend, wie gut Wasser durch das geklüftete Gestein fließen kann und wie das Reservoir auf unterschiedliche Betriebsbedingungen reagiert.
Im November 2025 wurden deshalb bei einem mehrstufigen Injektionstest über rund drei Wochen etwa 30.000 Kubikmeter Frischwasser injiziert. Ziel war es, mögliche Betriebsbedingungen zu testen, die Wasseraufnahmefähigkeit der Bohrung zu verbessern und das seismische Verhalten des Untergrunds genauer zu verstehen.
Die Auswertung vertieft das Reservoirverständnis und bildet eine belastbare Grundlage für die weitere Standortentwicklung sowie die Planung sicherer Test- und Betriebsstrategien. Diese Ergebnisse stellt Dr. Felix Allgaier im Vortrag „Hydraulische und seismologische Ergebnisse des Injektionstests im Tiefengeothermieprojekt Graben-Neudorf“ vor. Der Beitrag wurde gemeinsam mit Igor Kozlov, Robin Ulwig und Rolf Herrmann erarbeitet.

Austausch über die nächsten Schritte der Wärmewende
Die Beiträge von Deutsche ErdWärme verbinden Fragen, die in der Projektpraxis eng zusammengehören: Welche Erkenntnisse brauchen wir für die nächste Entscheidung? Wie wirken sie sich auf die Wirtschaftlichkeit aus? Und wie organisieren wir die Umsetzung gemeinsam mit den Wärmeversorgern?
Der Geothermiekongress bietet die Gelegenheit, diese Fragen mit Erfahrungen aus konkreten Projekten zu diskutieren. Wir freuen uns auf den Austausch mit Stadtwerken, Projektpartnern und der Fachwelt.
Sie möchten erfahren, wie sich Erdwärme in Ihre Wärmeversorgung integrieren lässt? Treffen Sie unser Team in Potsdam und sprechen Sie mit uns über die technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen Ihres Projekts.